Die Begriffe User Experience und Usability werden oft in einem Atemzug genannt. So auch im Titel unseres Blogs. Dennoch gibt es eine feine Abgrenzung zwischen den Begriffen.

Während bei Usability die Lernbarkeit und Bedienbarkeit im Vordergrund steht, wird mit User Experience die gesamte Erfahrung eines Benutzers mit einem Produkt beschrieben. Dies geht weit über die konkrete Nutzungssituation hinaus und beinhaltet auch emotionale Aspekte.

Der Unterschied: User Experience vs Usability

User Experience ist der Überbegriff, während Usability nur einen Teilbereich während der Nutzung beschreibt.

Umgangssprachliche Nutzung

Im täglichen Sprachgebrauch werden Usability und User Experience (UX) nicht scharf voneinander abgegrenzt und häufig sogar verwechselt. Als “Buzzwords” haben sie mittlerweile Eingang in Fokusgruppen und Produktrunden gefunden. Dabei tritt ihre tatsächliche Bedeutung jedoch oft in den Hintergrund.

Nach dem ersten Blick auf eine Webseite sprechen manche Benutzer bereits das Lob “Tolle Usability!” aus. Es ist allerdings zu bezweifeln, ob ein Blick ausreicht dies zu beurteilen. Nach dem Wortstamm von Usability (“use” und “ability”) müsste man dafür die Webseite wirklich benutzen. Gemeint ist mit dem Lob meist “Das sieht ansprechend aus, ich möchte es gerne benutzen.”. Der Benutzer zeigt also eine emotionale Reaktion auf das Aussehen der Webseite. Sie gefällt ihm.

Der Begriff Benutzerfreundlichkeit gilt gemeinhin als deutsche Übersetzung von “Usability”. Gemeint ist damit, ob ein Produkt dem Benutzer gegenüber “freundlich” ist, so wie ein Kosmetikprodukt hautfreundlich ist. Da diese Definition sehr unscharf ist, wird in der Wissenschaft der Begriff Usability mit “Gebrauchstauglichkeit” übersetzt.

User Experience wird hingegen umgangssprachlich oft mit einer effektbeladenen grafischen Aufmachung gleichgesetzt. Um eine tolle UX zu erreichen werden Wisch-Effekte eingebaut, Dropdowns durch Slider ersetzt und Intro-Videos abgespielt. Auch das geht an der tatsächlichen Bedeutung des Begriffes vorbei.

Doch wie lautet die korrekte Definition?

Was ist User Experience (UX)

Der Begriff User Experience umfasst alle Aspekte der Interaktion ein Benutzers mit einer Firma, ihren Dienstleistungen oder ihren Produkten. Er beschreibt Erwartungen, Wahrnehmungen und Reaktionen, die vor, während und nach der eigentlichen Nutzung auftreten [1].

Die Qualitätsmerkmale für eine gute User Experience sind vielfältig. Als Beispiele lassen sich nennen: Klare Botschaft, sinnvoller Inhalt, Vertrauen zur Marke, ansprechendes Design, einfache Lernbarkeit, schnelle Reaktionen auf Benutzereingaben, Spass an der Benutzung – diese Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen [2].

Dies lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Ich entscheide mich dazu Schuhe bei einem Online-Shop zu kaufen. Die Entscheidung treffe ich auf der Basis von Erwartungen, die eine Fernsehwerbung für den Shop in mir geweckt hat. Es scheint recht unkompliziert zu sein. Auf der Webseite des Online-Shops habe ich das gesuchte Modell gleich gefunden. Ich kann es mir aus mehreren Blickwinkeln ansehen, und es gefällt mir sehr. Allerdings ist meine Größe ausverkauft. Ich bin enttäuscht und suche einen anderen Onlineshop auf.

Alle Phasen dieses (nicht erfolgten) Bestellvorgangs gehören zu meiner User Experience mit diesem Online-Shop. Diese ist naturgemäss subjektiv, da sie auf meiner persönlichen Erwartung und der eigenen Wahrnehmung beruht.

Was ist Usability?

Usability betrachtet während der Nutzungssituation, ob ein Produkt einfach zu bedienen und zu erlernen ist. Gute Usability ist also auch ein Merkmal guter User Experience.

Usability vereengt die Betrachtung im Gegensatz zum Begriff User Experience. Es geht nur noch um die konkrete Benutzungssituation, nicht um die Erwartungen davor und die Emotionen danach. Zudem wird nicht betrachtet, ob dem Benutzer die Interaktion Freude bereitet. Es reicht aus, wenn der Benutzer seine Ziele effizient erreicht.

Als ich im Onlineshop meine Schuhe kaufen wollte, habe ich diese gleich gefunden. Das spricht für eine gute Usability der Suchfunktion. Das Ziel Schuhe zu kaufen ließ sich hingegen leider nicht erreichen. Das lag aber nicht an der Usability des Online-Shops, sondern daran, dass das Produkt ausverkauft war.

Usability kann im Gegensatz zu User Experience auch objektiv gemessen werden. In Usability Tests (siehe Remote Usability Tests) lassen sich Problemstellen finden und Bedienungsgeschwindigkeiten messen. Verschiedene User Interfaces werden so vergleichbar.

Beides ist wichtig

Unser Leitsatz lautet: “Mit dem uxcite Blog bringen wir User Experience und Usability einem breiten Publikum näher.”

Wir betrachten also beide Themen und denken, dass eine gute Usability allein noch kein gutes Produkt macht. Was hilft die beste Usability, wenn das Produkt nicht ansprechend gestaltet ist? Im Zweifel wird es zum Ladenhüter, da sich kein Benutzer dafür erwärmen kann.

Eine gute User Experience ist hingegen auf eine gute Usability angewiesen. Eine große Marke, Werbeversprechungen und schicke Designs helfen nicht über grundlegende Usability-Fehler hinweg. Die Kunden bringen dem Produkt in diesem Fall vielleicht mehr anfängliches Vertrauen entgegen, das allerdings schnell in Frustration enden kann.


Quellen:
[1] Procontext Blog, “Usability und User Experience unterscheiden”
[2] Nielsen Norman Group, “User Experience (UX)” Our Definition”