Der Verkaufsautomat im örtlichen Schwimmbad hat scheinbar eine eingebaute Kristallkugel – er meint zu wissen welche Eintrittskarten ein Besucher kaufen möchte. Und dabei ist er sich so sicher, dass er eine andere Auswahl auch gar nicht mehr zulässt.

Diese Einschränkung äußert sich so, dass Besucher tagsüber nur Tageskarten und abends ab 19 Uhr nur noch Abendkarten (jeweils Einzel- oder Zehnerkarten) kaufen können. Während das bei Einzelkarten noch nicht so tragisch ist, da man diese in den meisten Fällen vermutlich sofort benutzt, ist es bei 10er-Karten, deren Verbrauch man meist längerfristig plant, aber ärgerlich und verkompliziert den Kartenkauf unnötig.

Vor 19 Uhr

Wenn man tagsüber das Schwimmbad betritt bietet der Verkaufsautomat nur eine Art von Karten an: Einzel- und 10er-Karten zum Tagestarif. Diese kann man dann über ein relativ simpel gehaltenes Touch-Interface auswählen und bar bezahlen. Die Karten selbst sind einfache Papierkarten mit Lochung und Strichcode, die man vor dem Betreten des Saunabereichs an einem Drehkreuz entwerten lassen muss. Sollte die eingesteckte Karte nicht gültig sein, wird der Einlass verweigert.

Verkaufsbildschirm eines Automaten vor 19 Uhr - es können nur Tageskarten gekauft werden.

Bewusste Einschränkung der Auswahl: vor 19 Uhr gibt's nur Tageskarten.

Nach 19 Uhr

Das Schwimmbad bietet zusätzlich zum Tagestarif noch einen vergünstigten Abendtarif ab 19 Uhr an für den separate Karten am Automaten gekauft werden müssen. Scheinbar um die Gäste nicht zu verwirren wurde nun aber zu einer gravierenden Einschränkung gegriffen: ab 19 Uhr werden nur noch Abendkarten verkauft – die Option zum Kauf von normalen Tageskarten ist plötzlich wie von Geisterhand verschwunden.

Verkaufsbildschirm nach 19 Uhr - es können nur noch Abendkarten gekauft werden.

Die Einschränkung wird konsequent zu Ende geführt: ab 19 Uhr gibt's nur noch Abendkarten.

So wäre es besser

Welche Gründe kann es für diese Einschränkung geben? Der offensichtlichste Grund ist vermutlich, dass man den Gast davor bewahren möchte eine falsche Karte zu kaufen (z.B. eine Abendkarte am Vormittag). Dieses Ziel wird natürlich voll erreicht. Darüber hinaus ergeben sich aber einige gravierende Einschränkungen bei der User Experience während des Kaufs. Möchte man nämlich kurz vor 19 Uhr schon eine 10er-Abendkarte kaufen oder nach 19 Uhr eine 10er-Tageskarte, so ist dies unmöglich.

Diese Einschränkung ist aber in meinen Augen völlig unverständlich vor dem Hintergrund, dass das verbaute Touch-Display groß genug wäre eine ausreichende Kennzeichnung der unterschiedlichen Ticket-Kategorien vorzunehmen. Man könnte klare, große Überschriften nutzen, um die verschiedenen Ticket-Arten zu kennzeichnen und einen Fehlkauf relativ unwahrscheinlich zu machen. Wenn man nicht gänzlich auf eine Beeinflussung des Interfaces ab 19 Uhr verzichten möchte, könnte man die Größe der jeweiligen Ticket-Buttons je nach Uhrzeit anpassen – vor 19 Uhr sind die Buttons für Tageskarten relativ groß, danach die der Abendkarten. So könnte man die Aufmerksamkeit des Gastes lenken ohne ihm oder ihr die Wahlfreiheit zu nehmen.

Mockup des Automatenbildschirms ohne Einschränkung der Auswahl.

Es geht auch anders: bereits einfache Überschriften würden die Einschränkung unnötig machen.

Insgesamt könnte man dem Gast auf diese Weise also mehr Möglichkeiten bieten ohne selbst einen Nachteil davon zu haben. Denn schließlich gibt es als zusätzliche Kontrollinstanz ja immer noch das Drehkreuz, das verhindert, dass jemand mit Abendkarte tagsüber eintreten kann. Die gelegentlichen Fehlkäufe von Karten könnten durch das freundliche Personal umgetauscht werden. Der Komfortgewinn für die Gäste und das Gefühl nicht von einem Verkaufsautomaten bevormundet zu werden würden dies sicherlich aufwiegen.